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2024 jährte sich die Gründung des Klosters Himmelpfort zum siebenhundertfünfundzwanzigsten Mal. Der Heimatverein Kloster Himmelpfort e.V. hat aus diesem Anlaß historische Postkarten aus seiner Sammlung reproduzieren lassen.
Hier möchten wir Hintergrundinformationen zu den historischen Aufnahmen in der Ausstellung geben.
Die Ausstellung wurde in ehrenamtlicher Arbeit von aktiven Mitgliedern des Heimatvereins gestaltet. Finanzielle Unterstützung haben wir freundlicherweise von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse erhalten. Herzlichen Dank dafür!
Ohne die Arbeit von Peter und Ramona Krajewsky (Reproduktion, Textunterschriften und Aufnahmen des heutigen Zustandes) und Hartmut Krafft (Druckvorbereitung, Hintergrundtexte und Website) wäre die Ausstellung in dieser Form nicht zustandegekommen. Auch hierfür bedankt sich der Verein herzlich!
Aus der selben Serie wie mehrere andere hier gezeigte Postkarten (Haus Berg, Schleusengraben, Klosterstraße) stammt diese Aufnahme des malerischen Durchblicks durch die Kirchenruine zum Brauhaus - sie dürfte um 1910 entstanden sein.
Auf den ersten Blick sind gar nicht so viele Unterschiede zu heute zu sehen. Bei genauerer Betrachtung ist aber doch einiges anders: zunächst fällt der freie Blick zum Stolpsee auf - das Haus, das heute die Sicht versperrt, war noch nicht erbaut. Selbst ohne das Haus würden wir heute den See kaum noch sehen können, weil es wesentlich mehr Bäume gibt als damals.
Auch die Glocken im Glockenstuhl sind nicht die, die heute dort hängen. Auf der Aufnahme sind noch die beiden 1589 und 1673 gegossenen Glocken, die bis 1917 erklangen, bis sie zur Buntmetallgewinnung für den Krieg eingeschmolzen und durch die heutigen, größeren gußeisernen Glocken ersetzt wurden.
Am Brauhaus sind viele Details heute noch wiederzufinden. Bei der Restaurierung nach dem Großbrand wurde der Giebel nach historischen Befunden wiederhergestellt: die Luke mit dem Balken für den Flaschenzug wurde dabei wieder geschlossen.
Die Aufnahme zeigt die Kirchenruine hinter einem Kartoffelfeld, sie stammt aus einer Zeit, in der jede verfügbare Fläche zur Nahrungsmittelproduktion genutzt werden mußte. Kirche und Glockenstuhl sind heute kaum verändert, ganz im Gegensatz zur Kleidung.
Die Glocken im Glockenstuhl sind jedoch nicht mehr die alten, sondern die 1917 eingehängten gusseisernen.
Der Blick nach Westen zeigt den Chor der Kirche (mit damals frisch erneuertem Dach, das heute wieder - historisch passender - mit Biberschwanzziegeln eingedeckt ist), den Glockenstuhl und dahinter das in Eigenleistung errichtete Mehrzweckgebäude, in dem die Feuerwehr, Gemeindeverwaltung, Versammlungsraum und Arzt- und Gemeindeschwesternstation untergebracht waren.
Das Mehrzweckgebäude wurde in den 1990er Jahren abgerissen, da die renovierte alte Schule und das neu erbaute Feuerwehrhaus einen Teil seiner Funktionen übernehmen konnten und es den neu entstehenden Park auf dem Klostergelände beeinträchtigte.
Um 1910 dürfte diese Fotografie entstanden sein. Sie zeigt das damals noch recht neue Schulhaus und das große Wirtschaftsgebäude des Klosters, das als 'Brauhaus' bekannt ist. Die rechte Straßenseite ist noch unbebaut: hier steht ein knorriger Apfelbaum, und es wachsen Kartoffeln.
Bis 1967 gingen die Kinder Himmelpforts hier zur Schule. Seit den 1990er Jahren wird das von der Gemeinde restaurierte Gebäude als Haus des Gastes genutzt.
Das Brauhaus wurde vermutlich etwas später als die Kirche des Klosters errichtet. Als eines der wenigen gut erhaltenen mittelalterlichen Kloster-Wirtschaftsgebäude ist es ein Baudenkmal von hohem Rang. Leider wurde es durch [1] Brandstiftung 2010 so schwer beschädigt, dass es lange Zeit nicht sicher war, ob die Ruine erhalten bleiben würde.
Durch die Arbeit der [2] Bürgerstiftung Brauhaus Himmelpfort gelang es, die Eigentumsverhältnisse zu klären, das Gebäude konnte durch die Stiftung erworben werden, Fördermittel wurden eingeworben, und heute ist das Haus restauriert und wird als Veranstaltungsort genutzt.
Leider ist der Storch bisher nicht wieder ins Dorf zurückgekehrt; in der Umgebung finden sich Nester z.B. in Blumenow und Hardenbeck.
Hinter dem Brauhaus überquert die Klosterstraße den Schleusengraben, noch auf der eleganten, 1945 gesprengten Brücke.
Auf dem Foto ist die Klosterstraße von der Klostermauer südostwärts zu sehen, eine Szene, die gegenüber heute in vielen Details verändert, im Großen aber wiedererkennbar geblieben ist.
Die Gaststätte Klosterkeller (vorne rechts) befand sich im Gebäude des Dorfkrugs von Himmelpfort und war damit die älteste Gaststätte des Dorfes. Auf dem überlieferten Plan von ca. 1815 ist der Krug neben drei Kolonistenhäusern eines von vier Gebäuden, die nicht zum Gutshof auf dem Klostergelände gehörten.
Vom einfachen Krug zur Gaststätte 'Stern' und dann zum 'Klosterkeller' gab es hier bis 2016, also mindestens 200 Jahre, eine Gastwirtschaft.
Die Klosterstraße mit ihrem Feldsteinpflaster zeigt sich noch so wie fast 30 Jahre zuvor, aber die Telefonleitungsmasten und das Verkehrsschild, das auf die Schule aufmerksam macht, künden den Wandel der Zeit.
Ob die Bäume vor der Schule die selben sind, die heute noch stehen?
Auch wenn die Szene idyllisch wirkt, Kinder auf der Straße sind, eine Dame mit Hut die Gaststätte betritt, Gäste im Biergarten sitzen und ein Rennrad an der Mauer lehnt, weht doch im Hintergrund das Banner des Unheils über der Szene und kündet von einem Weg, der kurz darauf in der Katastrophe endete.
Die Kolonialwarenhandlung mit Gasthof von Hermann Obst hat eine grundlegende Umwandlung erfahren: das einfache, traufständige Haus hat sich zu einem repräsentativen Gebäude gewandelt, neben dem die Nachbarhäuser zwergenhaft wirken. Die schöne Glasveranda blieb noch bis in die 1990er Jahre erhalten.
Nach einer Renovierung in den 1990er Jahren, bei der ein großer Teil des Charakters verloren ging, steht das Gebäude nun schon seit Jahrzehnten leer.
Die Aufnahme zeigt das Etablissement der Familie Obst vor dem Umbau zur Gaststätte 'Sonne'.
Die historische Ansicht zeigt den Blick in den Fürstenberger Weg (der inzwischen zur Straße aufgestiegen ist) um 1910.
In welchem Haus sich das im Titel angegebene Postamt damals befunden hat, konnte bisher nicht ermittelt werden.
Im Haus vorne links befand sich die Bäckerei Bester, die es noch viele weitere Jahre gab. Viele Einwohner und Einwohnerinnen erinnern sich noch daran, hier Backwaren gekauft zu haben.
Wer genau hinschaut, wird sehen, dass die beiden Balkone an einem der Häuser in der linken Reihe noch heute vorhanden sind, obwohl das Haus sonst völlig verändert ist.
Am früheren Dorfrand steht das kleine Gebäude der Schmiede Gericke. Bis auf Bäume und Zäune hat sich hier in über einhundert Jahren wenig verändert. Das Häuschen selbst wurde 2010 wie das Brauhaus Opfer einer Brandstiftung und danach wiederhergestellt.
In einem der neuen Giebelhäuser präsentiert sich das Berg'sche Geschäft. Himmelpfort hatte ein vielfältiges, kleinteilig strukturiertes Wirtschaftsleben, neben Schifferei und Fremdenverkehr gab es diverse Einzelhändler und Handwerksbetriebe: z.B. Bäcker, Fleischer, Fahrradhändler, Fischer, Fuhrunternehmer, Holzhändler, Schmied, Schuster und Tischler.
Das Vorhandensein eines solchen Geschäfts zeigt an, dass die Bekleidungsproduktion noch in den Haushaltungen des Ortes selbst stattfand.
Interessant ist auch, dass schon damals die Lage Himmelpforts am königlichen Forst hervorgehoben wurde. Auch heute noch ist Himmelpfort von ausgedehnten landeseigenen Forstgebieten umgeben, was auf den alten Klosterbesitz zurückgeht. Nur durch massive Proteste der Bevölkerung in den 1990er Jahren konnte die Privatisierung der Wälder verhindert werden.
Diese Ansichtskarte stammt aus der selben Serie wie drei andere: Klosterruine, Schleusengraben und Klosterstraße.
Die 1970 eröffnet Konsum-Kaufhalle versorgte Einheimische und Urlauber. Himmelpfort beherbergte im Ort und auf den umliegenden Zeltplätzen jährlich viele Tausende Urlauber, deren Versorgung durch die Kaufhalle sowie durch eine Vielzahl von Gaststätten gesichert werden sollte.
Die früher vorhandene Einzelhandelsstruktur war, bedingt durch den gesellschaftlichen Wandel, höhere Mobilität, und durch die DDR-spezifische Benachteiligung privatwirtschaftlicher Betriebe, durch ein Großverteilungssystem ersetzt worden.
Die Aufnahme zeigt eine Alltagsszene: Kundinnen, die mit dem Fahrrad zum Einkauf kommen, und angeschnitten einen Framo-Lieferwagen im Hintergrund.
Nach langem Leerstand und Verfall präsentiert sich die Kaufhalle heute erneuert, zur Gaststätte und Chocolaterie umgebaut und um ein Geschoss mit Ferienwohnungen erweitert.
Im 18. Jh. stieg der Bedarf an Holz deutlich an. Da der Wassertransport die einzige Möglichkeit war, schwere Lasten weit zu befördern, lag ein Ausbau der Wasserwege in der waldreichen Uckermark nahe.
So wurden die wilden Flüsse der Region nach und nach in aufgestaute Kanäle verwandelt, die praktische ganzjährigen Schiffsverkehr möglich machten. Um Himmelpfort wurde 1740 die Havel in Bredereiche angestaut. Es folgte 1752 die erste Schleusenanlage in Himmelpfort. Zwischen Boitzenburg und Lychen wurden die Gewässer für die Holztrift hergerichtet, um das Holz dann zu Flößen gebündelt weit hinaus ins Land befördern zu können.
Um 1880 wurde der Wasserweg von Berlin bis Lychen (und auch Richtung Mecklenburg) ausgebaut. Die Schleusen wurden auf ein Maß von 40 auf 4,6 Metern erweitert, und dieses Maß haben sie auch heute.
Die Schifferei wurde zu einer der wichtigsten Erwerbsquellen Himmelpforts. 1907 wurden 57 Schiffseigner und 28 Steuerleute verzeichnet. Viele Familien nutzten die Einnahmen, um sich neue, repräsentative Wohnhäuser zu bauen, die noch heute mit ihren Giebeln im Ortsbild sichtbar sind.
1901 wurde die elegante, für ihre Zeit moderne Betonbogenbrücke über den Schleusengraben fertiggestellt. Leider wurde sie zu Ende des 2. Weltkriegs auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters gesprengt. Die Ersatzbrücke macht noch immer einen behelfsmäßigen Eindruck.
Der freie Blick auf Schule und Brauhaus, den die Aufnahme zeigt, ist heute nicht mehr möglich. Die Südseite der Klosterstraße war damals noch nicht bebaut, und dort, wo heute dichter Uferbewuchs um den Klosterkräutergarten den Blick verdeckt, befand sich ein Acker. Die Ufer mussten schon deshalb freigehalten werden, da die Schiffe noch nicht alle über einen Antrieb verfügten, sondern getreidelt wurden.
Diese Ansichtskarte stammt aus der selben Serie wie drei andere: Klosterruine, Haus Berg und Klosterstraße.
Wie auf der Aufnahme vom gegenüberliegenden Ufer, so fällt auch hier der freie Blick zum Stolpsee auf. Nur wenige Bäume stehen am Ufer, der Erlenwald am Stolpsee fehlt noch ganz, und so erstreckt sich der Blick weit über den See hin zu den Erhebungen rund um Zootzen.
Die heutige Brücke ist die Nachfolgerin einer Behelfskonstruktion, die nach 1945 erbaut wurde. Die ca. 1901 erbaute elegante Betonbogenbrücke war gegen Ende des 2. Weltkriegs auf Befehl des damaligen Bürgermeisters Bliß gesprengt worden, wobei auch der östliche Giebel des Brauhauses Schaden nahm.
Verändert haben sich Straßenpflaster und Gartenzäune, auch die Häuser am Straßenende existieren nicht mehr: trotzdem ist diese Szene heute gut wiedererkennbar.
Diese Ansichtskarte stammt aus der selben Serie wie drei andere: Klosterruine, Schleusengraben und Haus Berg.
Erbaut 1921 durch die Familie Michaelis, die auch Mühle und Sägewerk betrieb, als anspruchsvolles Hotel mit 40 Betten, fließend Kalt- und Warmwasser und Zentralheizung.
Nachdem die jüdische Eigentümerfamilie das Haus 1937 unter unklaren Umständen, vermutlich unter Zwang, verkaufen musste, wurde es als 'arisches Haus' beworben, bis kurz darauf der Tourismus kriegsbedingt praktisch zum Erliegen kam.
Wie die Mühle zeigt dieses Haus, wie die alltägliche Normalität jüdischen Lebens in Himmelpfort in kurzer Zeit, und bisher unwiederbringlich, zerstört wurde. Aus Nachbarn wurden Ausgestoßene, die nicht mehr als Menschen galten, deren Vernichtung Staatsziel war.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Haus zunächst als Kinderheim, dann, als dieses in den Mühlenspeicher umgezogen war, als Erholungsheim des 'Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes' der DDR genutzt. Benannt wurde es nach [3] Werner Schaumann, einem Widerstandskämpfer gegen die NS-Diktatur, der in Plötzensee hingerichtet wurde.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde das Gebäude durch die Jewish Claims Conference an privat verkauft und unter dem Namen 'Landhaus Himmelpfort' wieder touristisch genutzt. Inzwischen ist dies auch schon wieder Geschichte, das Anwesen wird nun privat genutzt.
Die Stolper Mühle muss bereits vor der Gründung des Klosters Himmelpfort vorhanden gewesen sein, wird dem Kloster doch in der Gründungsurkunde die Hälfte dieser Mühle zugesprochen.
Um die Mitte des 18. Jhs. ließ der Leiter der Domäne Himmelpfort, Albinus, das Mühlenfließ neu anlegen. Die Mühle entwickelte sich fortan weiter, es entstand zusätzlich ein Sägewerk mit einer Dampfmaschine, wobei es auch immer wieder Rückschläge durch Brände und wirtschaftliche Fehlschläge gab. So mußte der Mühlenbesitzer Michaelis nach der Weltwirtschaftskrise 1923 Konkurs anmelden. Er hatte auch das Hotel 'Haus Eichberg' errichten lassen.
In den 1920er Jahren wurde im Mühlenfließ ein Generatorensatz eingebaut (das Gebäude existiert noch), der fortan nicht nur die Mühle, sondern auch den Ort mit elektrischen Strom versorgte.
Im hohem Kornspeicher wurde nach 1945 zunächst der in die sowjetische Besatzungszone abgewanderte Teil der Berliner Schulfarm Scharfenberg als Internat untergebracht, später nahm das Haus dann ein Kinderheim mit Schule auf, das zunächst im ehemaligen 'Haus Eichberg' untergekommen war. Später wurde im Hof der Kindergarten betrieben, jetzt wird das Gebäude privat genutzt.
Die inszeniert wirkende Aufnahme zeigt Sommergäste in der Stolpseestraße. Vor dem Haus, am Straßenrand, ist die Kaffeetafel aufgebaut. Kleidung und Frisuren deuten klar auf eine Entstehung vor dem 1. Weltkrieg hin.
Damals begann der Fremdenverkehr in der Region aufzublühen, die Bewohner der neu gewachsenen Großstadt Berlin strebten ins Umland, um sich bei guter Luft in der Natur zu erholen. Seitdem hat sich der Tourismus zum Hauptwirtschaftsfaktor entwickelt.
Heute wäre die Szene nicht mehr vorstellbar: zu sehr wird der öffentliche Raum vom Kraftverkehr dominiert und beansprucht.
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